Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) wird in der Buchhaltung als reduzierte Form der Gewinnermittlung angesehen. Unternehmen, die unter einer bestimmten Gewinn- und/oder Umsatzgrenze bleiben, können diese Art der Gewinnauflistung nach § 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zum Nachweis für die Steuer nutzten. Doch wie funktioniert das und worauf muss man achten?

Für diese Unternehmen ist die EÜR verpflichtend

Während Kleingewerbetreibende, sogenannte Ich-AGs und gewerbliche Unternehmen ohne Handelsregistereintrag an eine Gewinn- und Umsatzobergrenze von 60.000 € p.a. (Gewinnobergrenze) und 600.000 € (Umsatzobergrenze) gebunden sind, dürfen Freiberufler diese immer und ohne Einschränkung nutzen. Die Einnahmenüberschussrechnung dient als Methode zur Gewinnermittlung der einfachen Buchführung.

Kleinunternehmen mit einem Jahresumsatz unter 17.500 € müssen keine Einnahmenüberschussrechnung vorweisen. Hier ist für die Steuer eine formlose Gewinnermittlung ausreichend.

Wenn du mehr über Buchhaltung lernen möchtest und wissen willst, mit welchen Kosten du rechnen musst, dann schau mal in diesen Guide.

Das beinhaltet die Einnahmenüberschussrechnung

In der EÜR werden die Einnahmen und Ausgaben eines Jahres bilanziert und dadurch der Gewinn oder Verlust des Unternehmens ermittelt. Die aufzuführenden Ausgaben und Einnahmen sind dabei nicht nach dem Datum der Rechnungsstellung zu berücksichtigen – vielmehr ist das Datum des tatsächlichen Ausgleichs von Bedeutung. Daher nennt man diese Gewinnermittlungsmethode Zufluss- und Abflussprinzip. Dies unterscheidet die Einnahmenüberschussrechnung von der Gewinn- und Verlustrechnung der doppelten Buchführung. Hier ist der Entstehungszeitpunkt von Bedeutung. Beispiele für Ab- und Zuflüsse sind:

  • Überweisungen (Gültigkeit mit Lastschrift beziehungsweise Gutschrift)
  • Leasingrate (Gültigkeit bei Zahlung)
  • PayPal (Gültig ab Zahlungseingang auf PayPal-Konto)
  • Provision (Gültig ab Gutschrift)
  • Kreditkartenabbuchungen (Ab Rechnungsdatum oder Abbuchung gültig) 

Der Zeitraum der Gültigkeit ist ebenfalls fest geregelt, bis auf eine Ausnahme:

Eine rechtliche Ausnahme zur Terminierung und Abschreibung

Daraus ergibt sich normalerweise die Situation, dass eine Rechnung beispielsweise vom November eines Jahres, die aber erst im Januar des Folgejahres beglichen wird, auch erst für dieses Folgejahr gilt – das heißt, dass die Ausgabe erst dann geltend gemacht werden kann.

Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen oder Ausgaben, die 10 Tage vor oder nach dem 31.12. terminiert sind (§ 11 EStG) werden jedoch dem tatsächlichen Wirtschaftsjahr zugerechnet. Beispiele hierfür wären Mieten und Lohn.

So werden Investitionen und Anlageabgänge behandelt

Bei Neuanschaffung von Wirtschaftsgütern werden diese zunächst nicht als Ausgabe beziehungsweise Aufwand gebucht, sondern in einem Anlageverzeichnis geführt. In der Einnahmenüberschussrechnung werden dann die aus den Laufzeiten der Anlagegüter entstehenden Abschreibungen und die gezahlte Vorsteuer bei Anschaffung als Betriebsausgaben erfasst. Man unterscheidet hier zwischen abnutzbarem und nicht abnutzbarem Anlagevermögen.

Bei nicht abnutzbarem Anlagevermögen wie Grundstücken, Finanzanlagen und Beteiligungen bleiben die Anschaffungskosten im Betriebsvermögen, bis sie veräußert sind. In die Einnahmenüberschussrechnung wird die Differenz aus Anschaffungskosten und Verkaufspreis übernommen.

Bei abnutzbarem Anlagevermögen wie Gebäuden, Maschinen und dem Fuhrpark wird anhand einer AfA-Tabelle („Absetzung für Abnutzung“), der aktuelle Wert ermittelt und eine Abschreibungsliste in die Einnahmenüberschussrechnung übernommen.

Wie werden Rückstellungen bilanziert?

Während in der doppelten Buchhaltung Steuerrückstellungen, Pensionsrückstellungen und andere Rücklagen aufgelistet werden können, besteht diese Möglichkeit bei der Einnahmenüberschussrechnung nicht. Denn Ausgaben fließen erst dann in die EÜR ein, wenn sie tatsächlich vorliegen. Daher können beispielsweise bei Gerichtsprozessen die Kosten erst dann aufgelistet werden, wenn der Prozess beendet wurde.

Die Privateinlagen und -entnahmen in der Einnahmenüberschussrechnung

Alle Einlagen oder Entnahmen die du für deinen privaten Gebrauch oder aus deinem persönlichen Fundus einlegst oder entnimmst, müssen für eine spätere Überprüfung aufgelistet werden. Werden deine Güter zu mehr als 50 % betrieblich genutzt, übernimmst du in die Einnahmenüberschussrechnung den Wert zum Einlagezeitpunkt. Daraus resultieren Abschreibungsbeträge, die dann als Ausgaben aufgelistet werden.

Bei den privaten Entnahmen wird ähnlich vorgegangen. Denn auch die Entnahmen haben, wie die Privateinlagen, keinen Einfluss auf den Erfolg deiner Firma. Allerdings zählt die Entnahme von Gütern und Leistungen als Einnahmen deines Unternehmens. Dabei ist dann zu beachten, ob es sich um ein abnutzbares oder ein nicht abnutzbares Gut handelt. Abnutzbare Güter werden mit dem Restbuchwert in die Einnahmenüberschussrechnung übernommen, bei nicht abnutzbaren sind die Anschaffungskosten wichtig – Die Anschaffungskosten laufen nämlich in die Ermittlung deines Betriebserfolges ein.

So wird die Vor- und Umsatzsteuer übernommen

In der Einnahmenüberschussrechnung wird die Umsatzsteuer bei Ausgangsrechnungen als Einnahme – also als gesonderter Posten – geführt. Bei Eingangsrechnung wird die Vorsteuer daher als Ausgabe und ebenfalls als gesonderter Posten gebucht. Bekommst du durch die Umsatzsteuererklärung eine Erstattung, wird diese als Einnahme aufgeführt. Musst du dem Finanzamt dank der Zahllast, die durch die Umsatzsteuererklärung erhoben wird, Geld abführen, wird dies als Ausgabe behandelt.

Online den Überblick behalten

Mit der Buchhaltungssoftware FastBill behältst du deine Betriebseinnahmen und Ausgaben immer im Blick. Für die EÜR bedeutet das, dass du oder dein Steuerberater in FastBill einen DATEV-Export exportieren könnt, um diesen dann in das Buchhaltungstool deines Steuerberaters importieren (die Daten sind DATEV-konform) und dort die Einnahmenüberschussrechnung erstellen könnt.

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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