Factoring statt Bankkredit: Immer mehr, vor allem mittelständische Unternehmen verkaufen ihre offenen Rechnungen noch vor Fälligkeit an ein sogenanntes Factoringinstitut, welches ihnen bares Geld dafür auszahlt und die Forderungen übernimmt. Die Beliebtheit dieser Finanzdienstleistung wächst – trotz aktuell komplizierter Rahmenbedingungen der Branche, wie zum Beispiel dem Niedrigzins. Was so eine Forderungsabtretung ist und wie sie funktioniert, erklären wir dir hier.

Was ist Factoring?

Der englische Begriff kommt aus dem Lateinischen (factura, Rechnung) und bezeichnet eine besondere Finanzdienstleistung: Bei dieser werden Forderungen eines Unternehmens aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen gegenüber dem Leistungsempfänger noch vor Fälligkeit gewerblich an ein Kreditinstitut, bzw. Spezialinstitut übertragen. Beteiligt sind demnach folgende Parteien:

  • der Lieferant, bzw. Kreditor
  • der Forderungsschuldner, bzw. Debitor, bzw. Anschlusskunde
  • das Institut, bzw. der Factor

Durch den Verkauf seiner Forderungen gelangt der Kreditor sofort an Geld – beim „echten Factoring“ übernimmt der Factor sogar das Risiko des Forderungsausfalls (Delkredererisiko) beim Anschlusskunden. Beim „unechten Factoring“ verbleibt dieses Risiko beim Lieferanten. In jedem Fall trägt der Lieferant das Veritätsrisiko, das heißt, er haftet dafür, dass die Forderungen rechtens sind. Außerdem trägt der Factor üblichwerise das Debitorenmanagement – darunter fallen sowohl die Debitorenbuchhaltung als auch das Inkasso- und Mahnwesen.

Varianten des Factorings

Vorläufer des heutigen Factorings haben bereits die Augsburger Fugger im späten Mittelalter praktiziert. Seit sich diese Finanzdienstleistung in den 1970er Jahren langsam in Deutschland durchzusetzen begann, haben sich einige Varianten des Factorings herausgebildet:

  • Inhouse-Factoring

Hier behält der Kunde das Debitorenmanagement im eigenen Haus. Ausgelagert an den Factor wird vor allem die Finanzierungsfunktion sowie das Delkredererisiko.

  • Fälligkeitsfactoring

Hier kann der Kreditor die Vorteile einer vollständigen Risikoabsicherung nutzen. Darüber hinaus profitiert er von der Entlastung beim Debitorenmanagement. Verzichten muss er allerdings auf die sofortige Zahlung des Kaufpreises. Stattdessen werden per Vertrag Zahlungstermine vereinbart – unabhängig von Zahlungseingängen der Debitoren.

  • Offenes Factoring

Alle Karten auf den Tisch: Hier informiert der Forderungsverkäufer den Debitor über den Verkauf der Forderung und weist ihn darauf hin, diese direkt an den Factor zu zahlen.

  • Stilles Factoring

Verdeckte Aktion: Hier wird der Debitor vom Forderungsverkäufer nicht über den Verkauf der Forderungen an den Factor informiert. Für den Factor steigt damit das Risiko, weil ihm nicht möglich ist, die offene Rechnung zu verifizieren.

  • Halb-offenes Factoring

Halb offen ist der Vorgang, wenn der Debitor zwar nicht über den Forderungsverkauf informiert wird, aber zur Zahlung eine Bankverbindung erhält, die dem Factor gehört.

Um seine Finanzierung sicherzustellen, muss das Factoringinstitut unter anderem vor Vertragsabschluss regelmäßig die Bonität seiner Abnehmer überprüfen. Außerdem bildet es Sicherheitseinbehalte, um Abzüge und Veritätsrisiken abzudecken.

Kosten für Forderungsabtretungen

Das alles gibt es natürlich nicht umsonst: Was kostet Factoring? Normalerweise setzen sich die Kosten aus einer Gebühr, die auf den Umsatz gezahlt wird sowie aus Zinsen für die gewonnene Liquidität zusammen. Meist wird pro Debitor auch einmal jährlich eine Prüfgebühr verrechnet.

Der Zinssatz orientiert sich in der Regel an einem Referenzzins. Abhängig von der Bonität der Gesellschaft kommt noch eine Marge von 0,5 bis 5,0 % hinzu. Mit der Factoringgebühr werden das übernommene Delkredererisiko sowie die Management-Entlastung in Sachen Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen vergolten.

Das sind die Vorteile

Factoring bietet Kunden nicht nur sofortige Liquidität. Dadurch, dass es der umsatzkongruenten Betriebsmittelfinanzierung dient, können Unternehmen dadurch ihre Bilanz verkürzen: Forderungen und Verbindlichkeiten entfallen, die Liquidität und die Eigenkapitalquote verbessern sich. Die Finanzplanung lässt sich verlässlicher gestalten. Das wiederum erweitert den finanziellen Handlungsspielraum und kann gegebenenfalls auch zu einem besseren Rating infolge der optimierten Bilanzstruktur führen.

Gerade für mittelständische Unternehmen ist auch die buchhalterische Entlastung im Bereich des Debitorenmanagements ein wichtiger Vorteil.

Wer nutzt Factoring?

Forderungsabtretungen werden zunehmend von mittelständischen Unternehmen als alternative Methode der Finanzierung genutzt. Zu den bedeutendsten beteiligten Branchen gehören nicht nur Handel und Handelsvermittlung, sondern auch die Herstellung von Metall- und Maschinenprodukten, das Ernährungsgewerbe, Dienstleistungen und Fahrzeugbau.

Für die Abwicklung üblich sind ein Rahmenvertrag und einzelne Ausführungsverträge. Bankrechtlich werden die Forderungsabtretungen nach § 19 Abs. 5 KWG als Kreditgeschäft qualifiziert.

Forderungsverkäufe lohnen sich nicht für jeden

Als einfachste Voraussetzung für einen Forderungsverkauf gilt eine abgeschlossene, transparente Leistungserbringung, zum Beispiel eine durch einen Lieferschein bestätigte Warenlieferung. Komplizierter wird es bei Werksverträgen, VOB-Rechnungen oder Teilzahlungen.

Unternehmen, die keinen Bedarf an Liquidität haben, sollten ihre Forderungen nicht verkaufen. Factoring dient nämlich nicht dazu, bestehende Finanzierungen abzulösen, sondern sollte als ein Baustein im Finanzierungsgerüst eines Unternehmens immer bestehende Finanzierungen über eine Bank sinnvoll ergänzen. Ein modernes Buchhaltungs-Tool wie FastBill kann dich hier bei der Planung und Umsetzung unterstützen.

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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