Ob Arzt, Rechtsanwalt oder Steuerberater: Über eine Million Menschen in Deutschland sind freiberuflich tätig und zählen somit zur Gruppe der Selbstständigen. Dabei werden Freiberufler in vielerlei Hinsicht getrennt vom klassischen Arbeitnehmer behandelt. Vor allem in rechtlicher und steuerrechtlicher Hinsicht erfolgt eine andere Einordnung, aber auch bei Versicherungen gibt es Unterschiede zu beachten. Doch wer zählt überhaupt als Freiberufler und welche Folgen bringt diese Tätigkeit mit sich?

Wer ist Freiberufler?

Gesetzlich fest geregelt wird die Gruppe der Freiberufler in § 18 Einkommensteuergesetz und § 1 des Gesetzes über Partnerschaftsgesellschaften. Dabei ist das Finanzamt dafür zuständig, eine Tätigkeit konkret als freiberufliche Arbeit einzustufen und unter anderem eine Abgrenzung zum klassischen Gewerbe zu treffen.

Generell zählt wissenschaftliches, künstlerisches, erzieherisches oder schriftstellerisches Schaffen, welches nicht der Gewerbeordnung zuzuordnen ist, als freiberufliche Tätigkeit. Darunter fallen unter anderem folgende Berufe:

  • Ärzte, Zahn- und Tierärzte, Krankengymnasten, Hebammen, Heilpraktiker, Heilmasseure
  • Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer
  • Architekten, Ingenieure
  • Handelschemiker, hauptberufliche Sachverständige 
  • Journalisten, Übersetzer, Lehrer, Künstler, Schriftsteller und Erzieher 

Eine Unterform ist dabei der Katalogberuf für Freiberufler, zu denen unter anderem der Anwalt, Designer oder Schauspieler zählt.

Freiberuflich, selbstständig oder gewerbetreibend?

Oft werden alle drei Begriffe synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen haben. Dabei ist die Selbstständigkeit ein Überbegriff – Freiberufler und Gewerbetreibende arbeiten beide selbstständig, da sie für ihr Handeln selbst verantwortlich sind.

Als Selbstständiger kann man Arbeitszeit, -ort und -dauer selbst bestimmen sowie die Art der Arbeit frei wählen. Demnach unterliegt man im Gegensatz zum Angestellten nicht dem Weisungsrecht des Arbeitgebers. Dafür trägt man aber auch das Unternehmerrisiko und muss für seine Taten die Konsequenzen übernehmen.

Wenn du freiberuflich oder gewerbetreibend arbeiten möchtest, verfügst du über besondere Rechte und Pflichten. Vor allem bei der Gründung müssen besondere Maßnahmen getroffen werden; der Gewerbetreibende ist unter anderem zu Folgendem verpflichtet:

  • Gewerbe anmelden
  • Gewerbesteuer abführen
  • in die Industrie- und Handelskammer eintreten
  • sich ins Handelsregister eintragen lassen
  • doppelte Buchführung   

Als Gewerbetreibender zählt, wer beispielsweise einen eigenen Handel betreibt, Ware herstellt oder beratende Tätigkeiten ausführt. Eine klar definierte Liste der Berufe wie beim Freiberufler gibt es zwar nicht, der Steuerberater kann dich jedoch bei Unsicherheit beraten.

Was musst du als Freiberufler beachten?

Wenn du dich dazu entscheidest, freiberuflich zu arbeiten, musst du dich zunächst beim Finanzamt anmelden und auf einem Formblatt deine Tätigkeit beschreiben. Diesen Fragebogen solltest du spätestens vier Wochen nach Aufnahme der Arbeit ausfüllen, damit eine steuerliche Erfassung erfolgen kann. Dabei erhältst du eine Steuernummer – unabhängig davon, ob du bereits eine Nummer aufgrund von nichtselbstständiger Arbeit besitzt. Bei der Existenzgründung ist zudem ein umfangreicher Businessplan von Vorteil, um Geschäftsidee und weitere Punkte von Anfang an deutlich zu klären.

Berufsständische Kammern

Abhängig von der freiberuflichen Tätigkeit ist manchmal eine Registrierung bei den Standeskammern erforderlich. Vor allem als Arzt, Rechtsanwalt, Steuerberater oder Architekt bist du dazu verpflichtet, deine freiberufliche Tätigkeit bei der zuständigen Kammer zu melden.

Künstlersozialkasse

Auch bekannt als die Krankenkasse der Freiberufler: Hier bekommst du die Möglichkeit, Leistungen aus der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu beziehen und wirst in die gesetzliche Sozialversicherung eingeschlossen. Als Künstler oder Publizist musst du die Hälfte des Beitrags selbst zahlen, der andere Teil setzt sich zusammen aus Abgaben von Bund sowie Verlagen oder Rundfunkanstalten.

Berufsgenossenschaft

Außerdem musst du dich als Freiberufler in die Berufsgenossenschaft eintragen, die dich gegen Unfälle versichert. Berufskrankheiten oder Arbeitsunfälle werden dabei abgedeckt, sodass du finanzielle Unterstützung in diesen Fällen erhältst. Zudem werden Schulungen angeboten und der Arbeitsschutz gefördert.

Um welche Versicherungen sollte ich mich kümmern?

Im Gegensatz zu Angestellten gelten bei Freiberuflern also andere Regeln, wenn es um Versicherungen geht. Da du durch die Selbständigkeit sowieso schon ein höheres Risiko trägst, solltest du dir um zusätzliche Versicherungen Gedanken machen und diese rechtzeitig abschließen.

Wer nicht als Künstler oder Publizist tätig ist und somit nicht durch die Künstlersozialkasse pflichtversichert ist, hat die Auswahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. In den meisten Fällen sind die Versicherungen jedoch über bestimmte Verbände und Genossenschaften geregelt. Zudem können je nach Tätigkeit auch folgende Versicherungen sinnvoll sein:

  • Geschäftsinhaltsversicherung: versichert alle beweglichen Waren und Vorräte
  • Betriebshaftpflicht: wenn Dritte durch ihre Tätigkeit als Freiberufler zu Schaden kommen
  • Vermögensschadenhaftpflicht: deckt echte Vermögensschäden ab
  • gewerblicher Rechtsschutz: übernimmt Kosten juristischer Auseinandersetzungen 

Sichere dich auf jeden Fall ausreichend gegen private und betriebliche Risiken ab, damit du im Schadensfall keine unermesslich hohen Kosten tragen musst. Doch Vorsicht: Als Freiberufler bist du nicht automatisch ein Freelancer. Auch wenn die Begriffe häufig deckungsgleich verwendet werden, ist ein Freelancer – also freier Mitarbeiter – nur eine Bezeichnung für ein Vertragsverhältnis, das kein Arbeitsverhältnis darstellt.

War dieser Artikel hilfreich für dich?

Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

Leave a Reply