Um die Gemeinde und ihre Ausgaben zu finanzieren, muss das Geld erst mal in die entsprechende Kasse fließen. Dazu dient unter anderem die Gewerbesteuer – eine Steuer, die vom Ertrag der Gewerbetreibenden abhängt, und die sie an ihre Gemeinde abführen müssen. Doch was genau bedeutet der Begriff „ertragsabhängig“ und wie berechnet sich die Besteuerung?

Wieso gibt es die Gewerbesteuer?

Je nach Höhe ihres Ertrags müssen Gewerbetreibende regelmäßig Steuern abführen, wohingegen Freiberuflern dieser Aufwand erspart bleibt. In den meisten Fällen ist dabei diejenige Gemeinde zuständig, in dessen Bezirk sich das Unternehmen befindet.

Doch zunächst stellt sich die Frage: Wieso gibt es diese Abgabe überhaupt?

Allgemein stellt die Gewerbesteuer in den meisten Fällen die wichtigste Finanzierungsquelle der Gemeinden dar. Betriebe sollen so finanziell zu den Kosten beitragen, die den Gemeinden entstehen – und zwar in erster Linie für die Infrastruktur, die für den Gewerbebetrieb von großer Bedeutung ist.

Weitere Gründe, die für die Abgabe sprechen, sind vor allem die somit verbesserten Standortbedingungen. Kommunen haben so ein größeres Interesse, Unternehmen in ihrem Gebiet zu erhalten, um durch die anfallende Pflichtabführung zu profitieren. Somit kann die Infrastruktur besser ausgebaut werden, wodurch der Zugang zu Märkten erleichtert wird und ein besseres Lebensumfeld für Mitarbeiter hergestellt wird.

Bin ich gewerbesteuerpflichtig?

Zuerst einmal wirst du automatisch gewerbesteuerpflichtig, sobald du dein Unternehmen beim Gewerbeamt angemeldet hast. Je nachdem, wie viel du mit deinem Unternehmen erwirtschaftest, musst du einen Anteil abführen.

Auf jeden Fall bringt die Gewerbesteuer eine Menge Verwaltungsaufwand mit sich: Zum einen lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater, um den Gewinn und somit die genaue Höhe der Abgabe zu ermitteln. Zum anderen lässt sich die Gewerbesteuer aber auch bei der Einkommenssteuer anrechnen, sodass du einen Teil des gezahlten Geldes wieder zurück bekommen kannst.

Kann ich mich von der Gewerbesteuer befreien lassen?

Denn nicht jeder Unternehmer muss Gewerbesteuer zahlen. Obwohl du durch die Anmeldung beim Gewerbeamt gewerbesteuerpflichtig wirst, kannst du dich unter gewissen Voraussetzungen befreien lassen. Dazu zählen vor allem die „freien Berufe“, die von dieser Abgabe ausgenommen sind. Hierunter fallen:

  • Heilberufe (Ärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten)
  • Rechts-, Steuer- und wirtschaftsberatende Berufe (Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater)
  • Naturwissenschaftliche und technische Berufe (Vermessungsingenieure, Architekten, Sachverständige)
  • Kulturberufe (Journalisten, Übersetzer, Lehrer) 

Solltest du dir unsicher sein, lohnt sich auch in diesem Fall das Nachfragen beim Steuerberater. Womöglich kannst du dir nämlich hohe Steuerausgaben sparen.

Wie berechne ich die genaue Höhe?

Als Orientierungshilfe kannst du von etwa 15 % des Gewinns ausgehen, das ein Unternehmen erwirtschaftet. Doch um den Steuersatz genauer zu bestimmen, ist diese Anleitung sinnvoll:

  • Erwartetes Einkommen schätzen (Betriebsausgaben abgezogen)
  • Freibetrag von 24.500 Euro abziehen – das Ergebnis ist das zu versteuernde Einkommen
  • Mit der Steuermesszahl von 3,5 % multiplizieren: Das ergibt den Steuermessbetrag
  • Mit dem Hebesatz der Gemeinde multiplizieren 

Das Resultat ist deine Gewerbesteuer. Der Steuerfreibetrag von 24.500 Euro ist dabei aber nur für Personengesellschaften und Einzelunternehmen gültig. Das heißt also, Kapitalgesellschaften wie eine GmbH oder AG dürfen den Freibetrag nicht geltend machen und müssen in jedem Fall Gewerbesteuer abführen.

Unterschiedlicher Hebesatz

Grundsätzlich wird die Höhe dieser Pflichtabführung also durch die Steuermesszahl sowie den Hebesatz bestimmt, welcher von jeder Gemeinde individuell festgelegt wird. Somit unterscheidet sich die Höhe der Gewerbesteuer immer – wobei dicht besiedelte Orte eher einen höheren Satz haben. So kann die Schwankung zwischen rund 500 % in Ballungsräumen oder 250 % in Gebieten außerhalb der Stadt liegen.

Finanzamt regelt alles

Um dir Fehler zu ersparen, übernimmt das Finanzamt einen großen Teil der Arbeit für dich. Bei der Anmeldung deines Gewerbes gibst du direkt dein zu erwartendes Einkommen an, da du ein entsprechendes Formular ausfüllen musst. Daraufhin bekommst du mitgeteilt, wie hoch deine zu zahlenden Abzüge sind und bis wann du sie überweisen musst.

Direkte Steuer für das Unternehmen

Übrigens: Die Gewerbesteuer ist eine direkte Steuer. Das bedeutet, sie lastet auf dir als Unternehmer und darf nicht auf die Kunden übertragen werden, wie es bei der indirekten Steuer der Fall ist, zum Beispiel der Umsatzsteuer. So stellt die Gewerbesteuer einen Kostenfaktor dar, den du bei der Höhe der Preise deiner Produkte oder Dienstleistungen mit einberechnen musst.

Als Gewerbetreibender wirst du aber letzten Endes nicht mehr zahlen müssen als Freiberufler: Denn obwohl diese keine Steuer für ein Gewerbe zahlen müssen, ist deren Einkommensteuer um einiges höher. Als Gewerbetreibender besteht nämlich die Möglichkeit, die gezahlte Gewerbesteuer in der persönlichen Einkommensteuererklärung zu verrechnen und somit weniger Einkommensteuer abzuführen. Auf diese Weise entstehen für beide keine Nachteile!

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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