Bei der Mehrwertsteuer (kurz: MwSt.), im normalen Sprachgebrauch häufig synonym mit dem Begriff Umsatzsteuer verwendet, handelt es sich um eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staats. Sie bezieht sich auf den Mehrwert eines Produkts oder einer Leistung, bzw. den Erlös, der aus einem Geschäft damit entsteht. Generell gilt: Verkauft ein Unternehmen Waren oder Dienstleistungen, so muss für die generierten Umsätze eine Steuer an das Finanzamt abgeführt werden. Diese Mehrwertsteuer beträgt in Deutschland aktuell 19 Prozent. Für spezielle Güter des täglichen Bedarfes wie beispielsweise Lebensmittel, Zeitschriften oder Konzertkarten gilt ein ermäßigter Steuersatz von 7 Prozent.

Das Prinzip der Mehrwertsteuer – Ein Beispiel

Die Regelungen zur Mehrwertsteuer sind durchaus kompliziert und für viele Unternehmer und Unternehmensgründer nicht leicht zu durchschauen. An dieser Stelle soll ein einfaches Beispiel helfen, das Prinzip verständlich zu machen:

Der Matratzenhändler

Stell dir vor, du bist ein Händler und handelst mit Matratzen. Nehmen wir nun an, die Wertschöpfungskette ist klein und besteht lediglich aus zwei Stufen – dem Produzenten der Matratzen und dir als Händler. Der Produzent stellt eine Matratze her, die er dir für 200 € zuzüglich der 19 % Mehrwertsteuer verkauft. Du bezahlst also 238 € an den Hersteller. Dieser wiederum hat zusätzlich zu seinem Nettopreis von 200 € eine Mehrwertsteuer in Höhe von 38 € für das Finanzamt einbehalten. Die 38 € müssen dem Finanzamt vom Hersteller in seiner Umsatzsteuervoranmeldung gemeldet und schließlich überwiesen werden.

Nun verkaufst du das Produkt an einen Privatkunden für 300 € zzgl. 19 % Mehrwertsteuer weiter, erhältst also 357 €. Du hast somit selbst 38 € Mehrwertsteuer an den Hersteller gezahlt und von deinem Kunden 57 € erhalten. Deine gezahlte Mehrwert- oder Umsatzsteuer darfst du nun von der vom Kunden erhaltenen abziehen. Es bleiben 19 € übrig, welche du in deiner Umsatzsteuervorauszahlung (sogenannte Vorsteuer) an das Finanzamt überweisen musst. Da die Matratze beim Endverbraucher angelangt ist, endet die Wertschöpfungskette.

Fazit

Der Hersteller hat somit einen Wert von insgesamt 200 Euro geschaffen und 38 € an den Fiskus abgeführt. Du hast der Matratze durch deinen Handel einen Mehrwert von 100 € verliehen und somit weitere 19 € abgeführt. Wirtschaftlich belastet wird letzten Endes jedoch der Verbraucher bzw. der Konsument, denn dieser muss zusätzlich zu deinem Nettopreis von 300 € insgesamt 57 € Mehrwertsteuer bezahlen (Verbrauchssteuer).

Da auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette der jeweilige Mehrwert des Produktes besteuert wird, spricht man von der „Mehrwertsteuer“.

Besonderheiten und Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer

Prinzipiell ist jedes Unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, Mehrwertsteuern zu erheben. Als gesetzliche Grundlage hierfür dient das Umsatzsteuergesetz (UStG). Das deutsche UStG kennt bei der Erhebung von Steuern einige Ausnahmen, wie beispielsweise in § 19. Dieser Paragraph stellt sogenannte Kleinunternehmer als Unternehmen mit einem geringen jährlichen Umsatz unter besonderen Schutz und ermöglicht ihnen, auf die Erhebung der Umsatzsteuer zu verzichten.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass diese Unternehmen gegenüber dem Finanzamt nicht mehr vorsteuerabzugsberechtigt sind. Von dieser Regelung und dem damit verbundenen, geringeren Verwaltungsaufwand können in erster Linie kleine Unternehmen mit Privatkunden profitieren. Auch bei kooperierenden Unternehmen sind etwaige Ausnahmeregelungen möglich.

Neben der gänzlichen Befreiung von der Umsatzsteuer besteht für einige Unternehmen und Produkte die Möglichkeit einer Senkung, bzw. eines ermäßigten Steuersatzes von 7 %. Der Gesetzgeber spricht hier von „Produkten des täglichen Bedarfs“ wie beispielsweise:

  • Nahrungsmittel
  • Tickets für den öffentlichen Nahverkehr
  • Hotelübernachtungen
  • Taxifahrten
  • kulturelle Angebote
  • Presse- und Printprodukte 

Der Kerngedanke, der dahinter steckt, ist, dass auch Geringverdiener die Möglichkeit haben müssen, sich vernünftig ernähren zu können, mit der Straßenbahn zu fahren und am kulturellen Leben teilzuhaben.

Was passiert mit den Einnahmen aus der Mehrwertsteuer?

Nicht nur die Matratze aus unserem Beispiel, sondern alle Güter, die täglich gekauft und verbraucht werden, werden um den Mehrwertsteuersatz teurer. Das Geld, das der Staat mit der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer oder der Lohn- und Einkommensteuer erwirtschaftet, wird nach einem Verteilungsschlüssel dem Bund, den Ländern und den Gemeinden zugeführt. Im Fall der Umsatzsteuer sieht diese Aufteilung in Deutschland wie folgt aus:

  • 53,9 % gehen an den Bund
  • 44,1 % gehen an die Länder
  • 2 % gehen an die Gemeinden 

Unter den Ländern der EU kann der Mehrwertsteuersatz durchaus variieren. Der Normalsatz liegt hier aktuell zwischen 17 % (Luxemburg) und 27 % (Ungarn). In der Schweiz fällt die Mehrwertsteuer mit einem Normalsatz in Höhe von lediglich 8 % besonders gering aus.

Mehrwertsteuerberechnung – Ein praktisches Tool

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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