Noch vor einigen Jahrzehnten war Selbständigkeit ein eher seltenes Beschäftigungsverhältnis. Doch heute ist das Modell so beliebt wie nie. Kaum verwunderlich, lockt die Existenzgründung doch mit großer persönlicher Flexibilität. Vor der beruflichen Selbständigkeit sollte man sich jedoch unbedingt erkundigen, welcher rechtliche Status und welche Pflichten auf einen zukommen.

Was ist überhaupt ein Selbständiger?

Selbständigkeit ist rechtlich gesehen eine Definition zum arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Status einer Person. Grundsätzlich gilt, dass ein Gründer, der eine Arbeit außerhalb des Rahmens eines Angestelltenverhältnisses ausführt, als selbständig gilt. Einfach gesagt: Wer eine Arbeit direkt für wechselnde Auftraggeber ausführt und dafür auch direkt Geld erhält, ist ein Selbständiger – wer einen Vorgesetzten hat, der den Auftrag zur Arbeit gibt und diese in Form eines regulären Lohns bezahlt, ist Arbeitnehmer in einem Unternehmen.

Zur genauen rechtlichen Abgrenzung des Angestelltenverhältnisses zur Selbständigkeit kann auch H 19.0 LStH zur Hand genommen werden. Hier werden einige Merkmale definiert, welche den Status eines Arbeitnehmers rechtlich erläutern. Aus diesen leiten sich im Gegenzug auch Merkmale ab, die als Definition für Selbständige beziehungsweise Existenzgründer gelten können, beispielsweise:

  • Keine persönliche Abhängigkeit
  • Keine Bindung an Ort, Zeit oder Inhalt der Tätigkeit
  • Völlige Selbständigkeit im Bezug auf Planung und Durchführung
  • Keine feste Eingliederung in einen Betrieb

Doch Vorsicht: wer sich beim Finanzamt und den Sozialversicherungen als Selbständiger anmeldet, aber einer Tätigkeit nachgeht, die nach H 19.0 LStH den Status als Arbeitnehmer begründet, der geht das Risiko der Scheinselbständigkeit ein. Dies kann wiederum ein rechtliches und finanzielles Nachspiel zur Folge haben.

Was sind Freiberufler und was sind Selbständige?

Die Kategorien „Selbständiger“ und Freiberufler werden umgangssprachlich häufig synonym verwendet, allerdings gibt es hierbei einen kleinen, aber wichtigen Unterschied: „Freiberufler“ und „Gewerbetreibender“ sind quasi Unterkategorien der Selbständigkeit, die vornehmlich die Frage der Gewerbesteuer betreffen.

So kann ein Selbständiger entweder eine freiberufliche Tätigkeit nach § 18 EStG ausüben und muss damit keine Gewerbesteuer entrichten (beispielsweise ein selbständig arbeitender Künstler), oder er ist selbständiger Gewerbetreibender und muss diese Steuer abführen (etwa ein Handwerker mit eigenem Gewerbebetrieb). Das heißt, dass jeder Freiberufler ein Selbständiger ist, aber nicht jeder Selbständige führt eine freiberufliche Arbeit aus.

Sowohl Freiberufler als auch Gewerbetreibende dürfen Mitarbeiter einstellen, ohne ihren Status als Selbständige zu verlieren.

Was braucht man zu Selbständigkeit und Existenzgründung?

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbständig zu machen, braucht nicht nur einige gute Geschäftsideen und einen wasserdichten Businessplan. Auch die rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen sollten geklärt sein. Neben den eigentlichen Kosten einer Selbständigkeit kommen nämlich spezielle Pflichten auf selbständig arbeitende Existenzgründer zu:

  • Doppelte Buchführung für gewerbetreibende Selbständige
  • Einfache Buchführung für Freiberufler
  • Krankenversicherung aus eigener Tasche bezahlen

Dazu kommen noch weitere Verpflichtungen für den gewerbetreibenden Existenzgründer, etwa die Pflicht, Gewerbesteuer abzutreten und sich im Handelsregister eintragen zu lassen. Den wenigsten Aufwand hat man in der Selbständigkeit als Freiberufler – hier reicht zum Jahresende beispielsweise auch eine einfache Einnahmenüberschussrechnung für die Steuer aus und gleichzeitig verfügt man über die volle Kontrolle der eigenen Arbeitsabläufe.

Trotz aller Vorteile solltest du dir vor der Selbständigkeit bewusst sein, dass du als Gründer zwar dein eigener Herr bist, aber alle Risiken selbst trägst. Während du etwa als Arbeitnehmer Anspruch auf Lohn hast, auch wenn die Auftragslage miserabel ist, bist du in der Selbständigkeit auf dich alleine gestellt, wenn du keine Kunden findest.

Krankenversicherung

In Deutschland besteht auch für Selbständige die Krankenversicherungspflicht. War man vor der Selbständigkeit gesetzlich krankenversichert, kann man sich als sogenanntes „freiwilliges Mitglied“ in eine gesetzliche Krankenversicherung einschreiben oder wahlweise in die private Krankenversicherung wechseln. Wer vor der Selbständigkeit allerdings nicht Mitglied einer gesetzlichen Kasse war, kann nur in eine private Krankenversicherung eintreten.

Rentenversicherung

Nach der Gründung bist du grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, in eine private oder gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Ausnahmen hierfür sind jedoch einige Berufsgruppen, die zumindest zeitweise in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen. Die wichtigsten dieser Berufsgruppen sind Handwerker, Lehrkräfte (wenn sie regelmäßig mehr als 450 Euro im Monat verdienen), Künstler, Autoren und Journalisten sowie Publizisten und Pflegekräfte, die überwiegend auf ärztliche Anordnung handeln.

Wer kann dem Existenzgründer unter die Arme greifen?

Selbständig arbeiten und die eigenen Geschäftsideen verwirklichen ist für viele Menschen das Karriereziel schlechthin. Doch bei all der Eigenverantwortung ist professionelle Hilfe ein merklicher Vorteil. Gerade zur richtigen Buchführung können sich Selbständige beispielsweise auf moderne Software-Lösungen wie FastBill verlassen. So gelingt die Buchführung unkompliziert und im Einklang mit der aktuellen Rechtslage.

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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