Stille Reserven – Wie ist dein Vermögen bewertet?

Grundstücke, Vorräte oder Verbindlichkeiten: Üblicherweise stehen all deine Vermögenswerte in der Bilanz und lassen so auf deine finanzielle Situation schließen. Eine Ausnahme bilden stille Reserven, auch als stille Rücklagen bezeichnet. Diese zählen zwar zum Eigenkapital, lassen sich jedoch nicht daraus ableiten. Dadurch scheinen die Gewinne und das Eigenkapital geringer als sie tatsächlich sind – was steuerliche Vorteile mit sich bringt, dafür jedoch die Transparenz für Außenstehende verschlechtert. Wie du stille Reserven bilden kannst und welche Folge sie haben, erfährst du in unserem FastBill Lexikon.

 

Wie können stille Reserven entstehen?

Nicht alle Vermögenswerte müssen in der Bilanz offen aufgewiesen werden. Liegt der tatsächliche Wert eines Gutes über oder unter dessen Buchwert, wird diese Differenz nicht in der Unternehmensbilanz vermerkt. Man bezeichnet ihn somit als stille Reserve oder stille Rücklage, da der genaue Wert für Außenstehende nicht ersichtlich ist. Eine stille Reserve entsteht also in diesen Fällen:

 

  • Unterbewerteter Vermögenswert
  • Überbewerteter Schuldwert

Diese abweichende Bewertung kann sowohl absichtlich als auch durch äußere Einflüsse herbeigeführt werden. So kann eine Inflation oder ein versehentlicher Rechenfehler bei der Kalkulation oder Abschreibung diese Folgen mit sich bringen. Doch auch das bewusste Ausnutzen von Bewertungsspielräumen ist eine Möglichkeit.

 

Häufig entstehen stille Reserven durch eine Unterbewertung, indem das bestehende Vermögen nicht mit dem realen Marktpreis angegeben wird.

 

Beispiel für eine Unterbewertung: Maschine

Du erwirbst für dein Unternehmen eine Schleifmaschine im Wert von 300 Euro. Laut AfA-Tabelle wird sie 6 Jahre lang linear abgeschrieben. Am Ende des Abschreibungzeitraums besitzt sie keinen Wert mehr.

 

Es könnte jedoch passieren, dass die Schleifmaschine nach den 6 Jahren weiterhin funktionsfähig ist und im Unternehmen verwendet wird. Somit ist sie ein Vermögensgegenstand mit positivem Wert, der vom Buchwert (gleich 0) abweicht. Diese Abweichung durch Abschreibungen ist also eine stille Reserve, die durch eine Unterbewertung entstanden ist.

 

Weitere Gründe für Unterbewertung von Aktiva

Stille Reserven durch Unterbewertung der Aktivseite können auch dann entstehen, wenn die Anschaffungskosten im Verlauf der Jahre nicht mehr dem Marktwert entsprechen, wenn also beispielsweise ein Grundstück über Jahre eine Wertzunahme erfährt.

 

Erstellt dein Unternehmen immaterielle Vermögensgegenstände selbst, werden sie nicht im Anlagevermögen der Bilanz vermerkt – etwa eine Software oder ein entwickeltes Patent. Ein weiterer Fall ist die überhöhte Wertberichtigung, die auf Wunsch eines Kunden gebildet wird.

 

Überbewertung der Passiva

In diesem Fall stimmen die in der Bilanz ausgewiesenen Schulden eines Unternehmens nicht mit den tatsächlichen Schulden überein. Grund dafür ist häufig eine überhöhte Rückstellung auf der Passivseite, indem beispielsweise Prozesskosten falsch geschätzt werden und so Reserven entstehen.

 

Auswirkung auf dein Unternehmen und die Wirtschaft

Das Bilden stiller Reserven ist in begrenztem Ausmaß durchaus erlaubt. Diese Rückstellungen mindern scheinbar dein Eigenkapital und somit den Gewinn, sodass das Unternehmen weniger Steuern zahlen muss – eine positive Folge. Auf diese Weise wird bei Abschreibungen beispielsweise der Vorsteuergewinn reduziert, sodass die Steuern erst zu einem späteren Zeitpunkt abgeführt werden müssen.

 

Übermäßiges Bilden stiller Reserven verstößt jedoch gegen die Bilanzklarheit sowie Bilanzwahrheit und ist daher gesetzlich verboten. Denn der Jahresabschluss verliert dadurch an Informationsgehalt und wird für Dritte intransparent, da nicht alle Zahlen einzusehen sind.

 

Auch für Kapitalgesellschaften wie der AG hat dies eine Auswirkung: Die Höhe der ausgeschütteten Dividenden orientiert sich am Bilanzgewinn und mindert sich im Fall eines scheinbar geringen Gewinns.

 

Auflösung der Rücklagen in der Buchhaltung

Stille Reserven können für eine geschickte Unternehmensführung durchaus vorteilhaft sein, sollten jedoch nicht zu stark ausgenutzt werden. Sie sollten also nicht auf einen langen Zeitraum gebildet werden – als Ausnahme gelten Grundstücke und Beteiligungen, die nicht verkauft werden sollen. Was passiert also, wenn du deine stillen Reserven auflösen willst? Dafür stehen diese Möglichkeiten zur Auswahl:

 

  • Verkaufen von gering bewerteten Gütern zum Marktpreis
  • Zu hoch angesetzte Rücklage bei Zahlungsfälligkeit auflösen
  • Bewusster Übergang zu richtiger Bewertung

Ein Unternehmen kann das bewusste Auflösen ausnutzen, da somit Verluste gedeckt und nicht ausgewiesen werden können. So verschleiert es die wirtschaftliche Lage für Externe und täuscht eine Rentabilität vor, die tatsächlich so nicht vorhanden ist. Dieser veränderte Jahresabschluss kann Unternehmen jedoch auch helfen, in schlechten Zeiten über die Runden zu kommen und mit Hilfe stiller Reserven zu einer korrekten Bilanzpolitik zu gelangen.

 

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Hendrik Kehres

Hendrik ist ein wahrer Experte im Bereich Online Marketing & SEO. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige und all die, die noch in der Planungsphase stecken.

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