Vorsteuer, Umsatzsteuervoranmeldung, Vorsteuerabzug – im Dschungel der Steuern ist es schwer, den Überblick zu behalten. Wir helfen dir, Licht ins Dunkel zu bringen.

Was ist der Vorsteuerabzug?

Der Vorsteuerabzug bezieht sich auf die von Unternehmen geleistete Vorsteuer und wird im Zuge der Umsatzsteuervoranmeldungen an das Finanzamt geleistet. Die Vorsteuer bezeichnet die Umsatzsteuer, die Unternehmer beim Kauf ihrer Waren und Dienstleistungen an ihren Lieferanten oder Dienstleister zahlen. Sie ist abzugrenzen von der Mehrwertsteuer, welche der Unternehmer auf seine Verkäufe rechnet und die der Endverbraucher zahlen muss. Zwar müssen beide – Unternehmer und Endverbraucher – zunächst eine Umsatzsteuer auf ihre Einkäufe zahlen, jedoch kann der Unternehmer seine gezahlte Umsatzsteuer (Vorsteuer) mit Hilfe des Vorsteuerabzugs beim Finanzamt geltend machen. Hierfür sind einige Voraussetzungen nötig.

Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug

Wichtigste Bedingung für den Vorsteuerabzug ist, dass dein Unternehmen umsatzsteuerpflichtig ist. Ebenfalls wichtig ist, dass deine Eingangs– und Ausgangsrechnungen allen Anforderungen des §§ 14 ff. UStG genügen und sich deine Vorsteuer aus allen Eingangsrechnungen (oder von dir erstellten Gutschriften) ergibt.

Beim Vorsteuerabzug kannst du nur abzugsfähige Betriebsausgaben geltend machen. Nichtabzugsfähig sind beispielsweise:

  • Geschenke
  • Einkommensteuer
  • Umzugskosten
  • Lebensführung und Haushalt 

Für gewisse Unternehmen gelten darüber hinaus noch gesonderte Regelungen.

Sonderregelung für Kleinunternehmer

Zählst du zu den Kleinunternehmern im Sinne des § 19 UStG, schreibst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer und bist du zunächst nicht umsatzsteuerpflichtig und kannst keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Als Kleinunternehmer kannst du jedoch auch den Antrag auf eine Regelbesteuerung stellen. Dies verpflichtet dich dazu, deine Rechnungen mit Umsatzsteuer zu schreiben, was dich zum Vorsteuerabzug berechtigt.

Als Kleinunternehmer bist du zwar grundsätzlich nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Wenn der Vorsteuerabzug sich aber für dich lohnt, kannst du einen Antrag dafür stellen.

Gerade für Gründer, die in ihrer Anfangszeit hohe Ausgaben haben, ist diese Regelung sehr interessant. Du kannst hohe Ausgaben den am Anfang noch meist geringen Einnahmen gegenüberstellen und bekommt demnach in der Regel einiges von deiner bereits bezahlten Vorsteuern vom Finanzamt zurück. Ebenso kannst du vor deiner Gründung entstandene Aufwendungen geltend machen. Doch Vorsicht: Entscheidest du dich für die Regelbesteuerung, bist du die nächsten 5 Jahre daran gebunden. Eine gute Buchführung inklusive ordentlichem Belegwesen ist hier Pflicht. Eine Buchführungssoftware kann hierbei helfen und mit unserer Scan App behältst du den Durchblick im Belegechaos.

Sonderregelung für Existenzgründer

Als Existenzgründer unterliegst du der Pflicht zur monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung. Nach zwei Jahren stehen dir, abhängig von deinem jährlichen Steuerbetrag, verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Liegt deine Steuer 1.000 Euro im Jahr, kannst du von deinem Finanzamt vollständig von der Abgabepflicht der Umsatzsteuervoranmeldung befreit werden (§ 18 Abs. 2 Satz 3 UStG).
  • Liegt deine Steuer jährlich zwischen 1.000 und 7.500 Euro, wechselst du zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung (Regelfall nach § 18 Abs. 2 Satz 1 UStG) im vierteljährlichen Turnus.
  • Hast du jährlich mehr als 7.500 Euro Steuern, musst du weiterhin monatlich deine Umsatzsteuervoranmeldung machen. 

Die jährliche Umsatzsteuererklärung bleibt von diesen Regelungen unberührt und muss in jedem Fall weiterhin abgegeben werden.

Kommt die vierteljährliche Voranmeldung für dich in Frage, ist zu beachten, dass dies durch dein zuständiges Finanzamt genehmigt werden muss.

Wie setze ich meine Vorsteuer ab?

Als Unternehmer bist du verpflichtet, Umsatzsteuervoranmeldungen an das Finanzamt abzugeben. Die Angabe deiner Vorsteuern ist wesentlicher Bestandteil dieser Meldungen, die in der Regel online über das Elster-Verfahren eingereicht werden. Durch die Umsatzsteuervoranmeldungen leistest du Vorauszahlungen auf deine jährliche Steuerschuld, welche du am Ende des Jahres mit der Umsatzsteuererklärung abrechnest.

Wichtig ist, dass du deine jeweilige Umsatzsteuervoranmeldung bis zum jeweiligen 10. des Monats, der dem Anmeldezeitraum folgt, abgibst.

Der pauschale Vorsteuerabzug

Bei deiner jährlichen Umsatzsteuererklärung kannst du, statt alle deine geleisteten Vorsteuern aufzuzählen, den pauschalen Vorsteuerabzug nutzen: Auch dieser kann sich lohnen – vorausgesetzt, du hast nur wenige Vorsteuern gezahlt. Die Variante ist unter folgenden Bedingungen möglich:

  • Du darfst nicht der Pflicht zur Buchführung (§ 23 Abs. 1 UStG) unterliegen.
  • Dein Umsatz darf im vorangegangenen Kalenderjahr die Marke von 61.356 Euro nicht überschritten haben.
  • Du musst einer Berufsgruppe angehören, für welche der pauschale Vorsteuerabzug gilt. 

Für welche Berufsgruppen diese vereinfachte Form des Vorsteuerabzugs möglich ist und die zugehörigen Prozentsätze findest du in der Anlage der §§ 69 und 70 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV).

Diese Art des Vorsteuerabzugs lohnt sich jedoch nur, wenn man wenige Ausgaben hat. Nehmen wir zur Veranschaulichung das Beispiel eines Elektroinstallateurs, der in einem Quartal 10.000 Euro Umsatz gemacht und für seine Einkäufe im gleichen Zeitraum 600 Euro Vorsteuer gezahlt hat. Die Differenz seiner eingenommenen Umsatzsteuer (1.900 €) und seiner gezahlten Vorsteuer beträgt 1.300 €. Durch Anwendung des pauschalen Vorsteuerabzugs (in seinem Fall beträgt der Prozentsatz 9,1 %) werden ihm 910 € bereits gezahlte Vorsteuer zugerechnet und seine Umsatzsteuerschuld verringert sich auf 990 €.

Welche Möglichkeit oder welche Methode beim Vorsteuerabzug für dich die richtige ist, hängt also von vielen Faktoren ab, die du bedenken musst.

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Christian

Christian ist Mitgründer und Marketing Experte bei FastBill. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung, Gründung und Unternehmenswachstum für Selbständige.

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